«Sternstunde Philosophie»: Du kannst nichts gegen die Klimakrise tun!
Flugscham, Hafermilch, Lastenrad: Wer klimabewusst lebt, gilt schnell als (moralisches) Vorbild. Die Juristin und Rechtsphilosophin Frauke Rostalski hält das für eine gefährliche Dynamik. Ihrer Meinung nach sei der Einzelne nicht in der Pflicht, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Moderiert wird die Sendung von Olivia Röllin.

Frauke Rostalski bestreitet weder die Klimakrise noch die Dramatik des steigenden CO₂-Ausstosses. Sie kritisiert aber die Verschiebung der Verantwortung auf Konsumentinnen und Konsumenten. Einzelne Entscheidungen – weniger fliegen, weniger Fleisch essen – seien klimatisch praktisch wirkungslos, solange sie nicht in ein global verbindliches Reglementarium eingebettet sind. Gemäss Rostalski braucht es internationale Regeln mit Anreizen und Sanktionen, etwa in Form eines Klimaclubs mit CO₂-Mindestpreis – eine Idee, die sie vom US-amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus übernimmt. Die Verantwortung sieht Rostalski deshalb vor allem bei Regierungen, die endlich ein funktionierendes internationales System schaffen müssten, in das sich individuelle Handlungen sinnvoll einfügen können. Dann, und erst dann, sieht Rostalski die Einzelnen in der Pflicht.
Olivia Röllin hakt nach und klärt, wie realistisch ein solcher Club angesichts der weltpolitischen Lage ist, warum das Pariser Abkommen als dysfunktional gilt, wieso ein «Club der Willigen» mehr bewirken könnte als nationale Vorreiterrollen und was man vor diesem Hintergrund eigentlich den nachfolgenden Generationen sagen kann.
Die Sendung wurde am Zürcher Philosophie-Festival aufgezeichnet.
Ausstrahlung: Sonntag, 15. Februar 2026, 11.00 Uhr, SRF 1 und Play SRF