«DOK»: Von Viehhändlern, koscherer Küche und Ehevermittlung

«DOK»: Von Viehhändlern, koscherer Küche und Ehevermittlung

Bis vor knapp 150 Jahren durften Schweizer Juden nur in zwei Aargauer Dörfern leben. Sie führten ein ärmliches Leben als Händler und Hausierer; die auferlegten Gewerbeverbote liessen keinen sozialen Aufstieg zu. Heute gibt es dort kaum mehr jüdische Einwohner, aber die jüdischen Spuren sind unübersehbar.

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Beide Dorfbilder werden von einer Synagoge geprägt, ein verwunschener Friedhof liegt am Weg zwischen Endingen und Lengnau, und immer noch zeugen Wohnhäuser mit doppelter Eingangstür von der speziellen Cohabitation. Die Wurzeln der meisten Schweizer Juden reichen nach Endingen und Lengnau zurück. Wie zum Beispiel die Familie Guggenheim, die in Amerika als Industrielle zu Reichtum und als Mäzene zu Anerkennung kam. Auf eine Spende dieser wohl berühmtesten Surbtaler Familie geht auch die Gründung des Schweizerischen Israelitischen Alters- und Pflegeheims «Margoa» in Lengnau zurück. Weitere bekannte jüdische Bürger dieser Gemeinden sind der Schriftsteller Charles Lewinsky und die alt Bundesrätin Ruth Dreifuss.

 

In der Alten Eidgenossenschaft, endgültig ab 1776, durften sich Juden nur in den beiden Dörfern in der damaligen Grafschaft Baden niederlassen. Gemäss einer Bestimmung mussten Juden und Christen «abgesondert und nicht beieinander wohnen», doch dem halfen sie ab, indem sie gemeinsame Wohnhäuser jeweils mit zwei identischen, nebeneinanderliegenden Eingängen versahen. Erst 1866 erlangten sie die Freizügigkeit, und die meisten von ihnen wanderten in den folgenden Jahrzehnten ab.

 

Kathrin Winzenried macht sich auf Spurensuche und trifft dabei zum Beispiel den 99-jährigen Max Wyler, der 1915 im Surbtal zur Welt kam und bis heute als Viehhändler tätig ist. Sie unterhält sich auch mit Roy Oppenheim, einem Einwohner Lengnaus, der nicht nur einen jüdischen Kulturweg initiiert hat, sondern sich stark dafür engagiert, dass die Geschichte des Schweizer Judentums lebendig bleibt.

 

In Endingen trifft sie auf die Familie Bloch, eine der letzten jüdischen Familien im Surbtal. Jules Bloch ist nach seiner Pensionierung zum Beruf seiner Väter zurückgekehrt und betreibt nun einen schwunghaften Viehhandel. Er erzählt nicht nur davon, sondern auch, wie er auf Vermittlung seiner Tante seine Frau Raymonde kennengelernt hat. Das Matchmaking, die jüdische Heiratsvermittlung, ist bis heute gang und gäbe in jüdischen Kreisen: Jules und Raymondes Tochter Esther hat ihren holländischen Ehemann David Krammer ebenfalls auf Vermittlung eines Bekannten kennengelernt.

 

Schauspieler lassen den jüdischen Alltag wieder aufleben und der Judaistik-Professor Simon Erlanger umreisst die jüdische Geschichte in der Schweiz vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.
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Donnerstag, 22. Januar 2015, 20.05 Uhr, SRF 1

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srf.ch/dok

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