«Sternstunde Philosophie»: Dicke Körper, dünne Moral – Kate Manne über Fettfeindlichkeit
Zwischen Body Positivity und Ozempic-Boom: Philosophin Kate Manne zeigt in der «Sternstunde Philosophie», warum Fettfeindlichkeit mehr ist als eine Gesundheitsdebatte, und stellt verbreitete Vorurteile über Körper infrage.

Mehrgewichtige Personen gelten vielen als unbeherrscht, faul oder sogar dumm. Dabei ist das Körpergewicht weniger einfach zu beeinflussen als viele denken und das moralische Urteil greift deshalb oft zu kurz. Mit dem Aufkommen von Medikamenten wie Ozempic und Wegovy könnte das Körpergewicht aber mehr und mehr zu einer Entscheidung werden, selbst für Diätresistente.
Kate Manne, Philosophieprofessorin an der Cornell University in den USA, ordnet diese Entwicklung in der «Sternstunde Philosophie» kritisch ein: Zu gross sei die Gefahr, dass ein sozialer Druck entstehe, von den Medikamenten Gebrauch zu machen. Starkes Übergewicht könne zwar gesundheitliche Folgen haben, doch die Abwertung dicker Körper weist die Philosophin als eigenständiges Unrecht aus, das nicht mit einer Spritze oder Pille, sondern mit dem Kampf gegen die Unterdrückung dicker Menschen angegangen werden müsse. Ausgehend von eigener Erfahrung analysiert sie in ihrem Buch «Grösse zeigen» die strukturelle Diskriminierung in Schule, Job und Medizin – und plädiert für «Body Reflexivity»: den eigenen Körper nicht als Objekt fremder Moralstandards zu begreifen.
Ausstrahlung: Sonntag, 23. August 2026, 11.00 Uhr, SRF 1 und Play SRF