«Literaturclub»: Romanhelden mit ADHS und ein Booktok-Hit
Laura de Weck, Lukas Bärfuss, Samira El Ouassil und Wolfgang M. Schmitt diskutieren über das Comeback von Michel Houellebecq als Chansonnier und folgende Romane: «Sie wollen uns erzählen» von Birgit Birnbacher, «Ich, die ich Männer nicht kannte» von Jacqueline Harpman, «Der Beweis meiner Unschuld» von Jonathan Coe sowie «Schleifen» von Elias Hirschl.

Der französische Skandalschriftsteller Michel Houellebecq hat ein Chanson-Album aufgenommen: «Souvenez-vous de l’ homme». Während er in den Texten den Untergang der Menschheit thematisiert, klingt das musikalisch gut gelaunt und entspannt. Konsequent für den Provokateur, der den Untergang der westlichen Zivilisation seit Langem herbeischreibt.
Alle sprechen über ADHS und die steigende Zahl der Diagnosen. Birgit Birnbacher hat mit «Sie wollen uns erzählen» einen Roman geschrieben, in dem ein Junge und seine Mutter an ADHS leiden. Darin hat sie eine Sprache gefunden, um das spezifische Gefühl der kognitiven Überforderung darzustellen: ein Roadtrip von Figuren mit knisternden Nerven.
Der Roman «Ich, die ich Männer nicht kannte» wurde auf der Plattform Tiktok gefeiert. Dadurch wurde die belgische Autorin Jacqueline Harpman wiederentdeckt. Ihr dystopischer Text, nun ins Deutsche übersetzt, wird auch vom Feuilleton gefeiert. Er erzählt von Frauen, die unter Tage gefangen gehalten werden, und stellt existenzielle Fragen, vor allem jene: Was macht uns zu Menschen?
Der englische Schriftsteller Jonathan Coe ist berühmt für seine satirischen Gesellschaftsromane wie «Middle England». Sein neuestes Werk «Der Beweis meiner Unschuld» handelt vom Einfluss der neokonservativen Netzwerke seit den 1980er-Jahren. Neben der Krimihandlung spielt Coe auf unterhaltsame Weise mit verschiedenen literarischen Genres.
Elias Hirschl ist Musiker, Poetry-Slammer und macht bereits mit seinem dritten literarischen Werk auf sich aufmerksam: Im Roman «Schleifen» erzählt er erfindungsreich vom Einfluss der Sprache auf das Leben. Im Zentrum steht Wissenschaftlerin Franziska Denk, die an einem bemerkenswerten Symptom leidet: Wenn sie von einer Krankheit hört oder liest, erkrankt sie daran.
Die Bücher der Sendung sind:
- Birgit Birnbacher: «Sie wollen uns erzählen» (Zsolnay);
- Jacqueline Harpman: «Ich, die ich Männer nicht kannte» (Klett-Cotta);
- Jonathan Coe: «Der Beweis meiner Unschuld» (Folio); und
- Elias Hirschl: «Schleifen» (Zsolnay).
Ausstrahlung: Dienstag, 5. Mai 2026, 19.00 Uhr, Play SRF und srf.ch/audio, 22.25 Uhr, SRF 1