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«Kontext»: Wie LGBTQ-freundlich sind die Künste?

Wie wird queere Diversität in den unterschiedlichen Kulturbereichen problematisiert und thematisiert? Filmkritikerin Ann Mayer, Musikredaktor Benjamin Herzog und Theaterkritiker Andreas Klaeui haben Stimmen eingeholt und diskutieren im Studio.

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«Mehr Repräsentation nicht nur nach aussen!»
Die 23-jährige Schauspielerin Rabea Lüthi spielte letztes Jahr ihre erste Hauptrolle im Schweizer Kinofilm «Sami, Joe und ich». Sie studiert Schauspiel an der Akademie für Darstellende Kunst in Baden-Württemberg und lebt mit einer Frau in einer Beziehung. Sie ist froh, dass sie zu einem Zeitpunkt in den Beruf einsteigt, an dem schon einiges passiert ist. Der aktuelle Diskurs führe zu mehr Sichtbarkeit von queeren Menschen, sagt sie. Dies lässt sie auf eine Zukunft hoffen, in der sie diverse Rollen spielen kann und nicht auf ihre Sexualität und Hautfarbe limitiert wird. Doch sie findet, dass es mehr braucht als nur oberflächliche queere Repräsentation. Film- und Theaterinstitutionen müssten auch ihre internen Strukturen hinterfragen.

«Wenn ich ins Theater ging, habe ich mich nie repräsentiert gesehen»
Der Schauspieler Alireza Bayram spielt im Ensemble des Zürcher Theaters Neumarkt. Am Theater schätzt er, dass es ihm mehr künstlerische Freiheit erlaubt als eine sehr normative Film- und Fernsehwelt, die er aus Sendungen wie «Tatort» oder der US-amerikanischen Serie «Homeland» kennt. Diversität bereichert den künstlerischen Prozess im Theater Neumarkt, ohne dass Identitäten immer gleich zum Thema gemacht werden müssen. Aber er stellt auch fest: «Wir sind bei diesem Thema, weil es immer noch ein Thema ist. Gerade erleben wir einen Zeitgeist, in dem wir einigermassen frei reden können – einige, nicht alle. Aber dass wir noch darüber reden, bedeutet, dass es noch ein Problem ist.»

«Wir leben in einer Umbruchszeit»
Die US-amerikanische Sopranistin Jeanne-Michèle Charbonnet hat sich in den 1990er-Jahren als eine von wenigen Spitzenstars der Oper für ein Coming-out entschieden. Sie lebte mit ihrer Frau und dem gemeinsamen Sohn in verschiedenen Opernmetropolen. Zunächst in amerikanischen Städten, später in Paris. Heute arbeitet und lebt sie in Berlin und Lausanne. Sie sagt, dass die Gesellschaft in den USA für ihre Lebensform schon früher offen war als in Europa oder etwa in Asien oder Lateinamerika. Auch die Opernhäuser in den USA, die bei der Besetzung von Rollen und im Ensemble stark auf Diversität achteten. Heute jedoch spürt Charbonnet diese Offenheit auch in Europa, und das betreffe nicht nur die LGBTQ-Gemeinde, sondern auch ganz andere Minoritäten. Die Welt der Kunst, der Oper, sagt die Sängerin, spiele hierbei eine Vorreiterrolle.

Ausstrahlung: Mittwoch, 7. April 2021, 18.03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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Mittwoch, 7. April 2021, 18.03 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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