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«Kontext»: Vom Haustier zur Massenware – Das Huhn im Kapitalozän

Das Huhn ist seit mehr als 8000 Jahren eine wichtige Proteinquelle für den Menschen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde es zum Massenprodukt. Heute leben auf der Welt dreimal so viele Hühner wie Menschen. Das birgt ethische und ökologische Probleme. Wie geht man in der Schweiz damit um? Brigitte Häring moderiert die Sendung.

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Das Huhn beeinflusst seit tausenden von Jahren menschliche Kulturen rund um den Globus. Es hat sich vom scheuen Bankivahuhn in Südostasien zu einem der wichtigsten Nutztiere weltweit entwickelt. Ganze 23 Milliarden Hühner leben heute auf der Welt. Im Zuge dieser institutionalisierten Massenproduktion von Geflügel hat sich unser Verhältnis zum Huhn stark verändert. Einerseits gibt es immer noch ein romantisches Bild vom freilebenden, eierlegenden Huhn. Im krassen Gegensatz dazu steht die Realität: Das Huhn ist eines der meist gestressten Nutztiere.

Die Schweiz liegt in Sachen Tierwohl im internationalen Vergleich zwar vorne, trotzdem gibt es auch hier noch viel Luft nach oben. Die Initianten der Massentierhaltungsinitiative fordern eine Reduktion der maximalen Tierzahl pro Betrieb. Und auch die hochgezüchteten Hybridhühner in der Pouletmast, die am Ende ihres kurzen Lebens kaum mehr stehen können, sind ihnen ein Dorn im Auge. Die Schweizer Geflügelbranche wiederum argumentiert, dass mit noch mehr Tierwohl die Importe aus dem Ausland steigen würden, genauso wie die Preise für den Konsumenten.

«Kontext» begibt sich auf die Spuren des Huhns und fragt: Wie geht es den Hühnern in der Schweiz?

Die Kulturgeschichte des Huhns
Der Mensch und das Huhn teilen sich eine über 8000 Jahre alte Geschichte. In dieser Zeit hat das domestizierte Federvieh seine Spuren in fast allen Kulturen hinterlassen. Sei es in der Sprache, der Kunst oder auch in religiösen Texten.

Begonnen hat alles mit einem scheuen asiatischen Hühnervogel. Mittlerweile gehört das leistungsstarke Hybridhuhn zu einem der wichtigsten Nutztiere der Welt.

Welche Folgen das für den Umgang mit dem Huhn hat, darüber spricht «Kontext» mit Urs Weibel, dem Kurator der Ausstellung «Hühner – ein unterschätztes Federvieh» im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen.

Die Schweiz, ein Hühnerparadies?
Als in der Schweiz 1991 die Käfighaltung für Legehennen verboten wird, steht man allein auf weiter Flur da. Die EU zieht erst 2012 nach und in den meisten Ländern ausserhalb Europas ist diese Praxis der Eierproduktion bis heute weit verbreitet.

In Sachen Hühnerwohl schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich gut ab. Trotzdem gibt es auch hierzulande noch viel Verbesserungspotential – vor allem bei Schweizer Mastpoulets. «Kontext» hat sich mit unterschiedlichen Playern der Schweizer Geflügelbranche unterhalten.

Planted Chicken – Pouletfleisch aus Erbsenmasse
Wenn die Menschen die Wahl hätten zwischen echtem Pouletfleisch und einem pflanzlichen Poulet-Ersatz mit derselben Konsistenz und demselben Geschmack wie Poulet, würden sie sich für die vegetarische Variante entscheiden – das sagt der junge ETH-Absolvent Lukas Böni. Zusammen mit drei Kollegen hat er das Start-up «Planted» gegründet.

Die Jungunternehmer produzieren im zürcherischen Kemptthal Pouletfleisch aus Erbsenmasse. Mit Erfolg: Die grossen Detailhändler der Schweiz gehören mittlerweile zu ihren Kunden. Ist das die Zukunft des Pouletfleisches? «Kontext» hat die Erbsenfleischfabrik besucht.

Ausstrahlung: Freitag, 30. Oktober 2020, 09.02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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Freitag, 30. Oktober 2020, 09.02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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