angle-left «Kontext»: Rassismus in den USA – Was auf den Teller kommt, ist politisch
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«Kontext»: Rassismus in den USA – Was auf den Teller kommt, ist politisch

Uncle Ben's Reis oder Fried Chicken: «Soul Food» gilt als Wahrzeichen der US-amerikanischen Küche, erzählt aber auch von einem strukturellen Rassismus, der sich tief in den Alltag eingefressen hat. Monika Schärer moderiert die Sendung.

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Die Black Lives Matter-Proteste haben in den letzten Monaten einmal mehr deutlich gemacht, wie tief der Rassismus in der US-amerikanischen Gesellschaft verwurzelt ist. Und diese Strukturen zeigen sich auch im Umgang mit Essen: Von stereotypen Lebensmittelwerbungen, wie dem immer gut gelaunten Uncle Ben auf den Reispackungen, über rassistische Karikaturen, die Schwarze als gierig und unkultiviert darstellen, bis hin zu traditionellen afroamerikanischen Rezepten, die Weisse für sich reklamieren.

Die Spur führt zurück in die Plantagen der Südstaaten, wo Sklaven für die weissen Herrschaften das Getreide und Gemüse nicht nur anbauten und ernteten, sondern auch kochten und servierten. Für sich selber bereiteten sie das Essen zu, das sie an ihre westafrikanische Heimat erinnerte – und schon bald auch die Plantagenbesitzer verführte. Sie verlangten nach dem aromatischen «Soul Food», das heute ein richtiger Gourmet-Trend ist.

Klar ist: Die US-amerikanische Küche und Kultur sind untrennbar mit der Arbeit verbunden, die Generationen von Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern geleistet haben.

Rassistischer Kulturkampf
Der US-amerikanische Autor Adrian Miller beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Kulturgeschichte der afroamerikanischen Küche. Dazu gehören die stereotypen Darstellungen von Schwarzen in der Lebensmittelwerbung ebenso wie rassistische Karikaturen, die Afroamerikaner als gierige, unkultivierte Menschen im Umgang mit Essen zeigen. Diese Bilder sind bis heute in den Köpfen von weissen sowie schwarzen Amerikanerinnen und Amerikanern präsent. «Viele Schwarze würden heute noch vor Weissen nie eine Wassermelone essen», sagt Adrian Miller.

Auf den Plantagen der Südstaaten
Die US-amerikanische Küche hat ihre Wurzeln auf den Plantagen der Südstaaten: Sklaven bauten das Getreide, das Gemüse und die Früchte an und bereiteten das Essen für ihre Herrschaften zu. In ihrem Buch «Bound to Fire» erzählt die Historikerin Kelley Fanto Deetz, wie die westafrikanischen Gerichte der Sklaven zusehends auch auf die Teller der weissen Plantagenbesitzer kamen. Sie sagt: «Die Kultur und die Küche Amerikas ist nicht von der Arbeit der Sklaven zu trennen.»

Die kulturelle Aneignung von «Soul Food»
Ein Begriff, der gerade in Gourmetkreisen Furore macht: «Soul Food». Er geht auf die traditionelle Küche der Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner zurück und gehört seit den 1960er-Jahren zu einem schwarzen Kulturverständnis. Das, was heute unter «Soul Food» auf den Tellern lande, sei allerdings meistens eine durch und durch weisse Interpretation, sagt Adrian Miller.

Die Starköchin: Eine köstliche Geschichtslektion
Für die US-amerikanische Starköchin Carla Hall erzählen Gerichte Geschichte und Geschichten. Sie ist mit dem «Soul Food» ihrer Grossmutter gross geworden, hat aber lange gebraucht, bis sie sich selbst professionell der afroamerikanischen Tradition zuwandte. Heute ist sie eine bekannte Starköchin mit einer eigenen Kochshow und stolz auf ihr kulinarisches Erbe.

Ausstrahlung: Freitag, 16. Oktober 2020, 09.02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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Freitag, 16. Oktober 2020, 09.02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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