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«Kontext»: Falsche Pässe für Verfolgte und Schweizer KZ-Opfer

Der Nationalsozialismus hinterliess auch in der Schweiz Spuren. Neue Forschungen werfen ein Schlaglicht auf Schweizer KZ-Häftlinge und auf ein geheimes Hilfsnetzwerk für jüdische Verfolgte. Ein neues Vermittlungsprojekt soll zudem Jugendlichen die jüdische Geschichte in der Schweiz näherbringen.

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Die Schweiz hat den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden. Dennoch hinterliessen Nationalsozialismus und Krieg auch hierzulande Spuren. Zwei neue Forschungsarbeiten liefern neue Erkenntnisse. So weist ein neues Buch auf Schweizerinnen und Schweizer hin, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren. Und die aktuelle Ausstellung im jüdischen Museum in Basel deckt auf, wie ein geheimes Hilfsnetz in Bern für Tausende von jüdischen Verfolgten falsche Pässe ausstellte und Leben rettete. Für neue Formen der Vermittlung jüdischer Geschichte in der Schweiz engagiert sich zudem der Verein Doppeltür im Kanton Aargau. Er bereitet vermehrt Lebensgeschichten in multimedialer Form auf und sucht den Dialog mit Jugendlichen.

Geheime Aktion: Falsche Pässe für Verfolgte
Die Aktion blieb bis vor Kurzem unter dem Deckel: Der Schweizer Honorarkonsul von Paraguay, Rudolf Hügli, gehörte zusammen mit Mitarbeitern der polnischen Botschaft in Bern zu einem Netzwerk, das Jüdinnen und Juden das Leben rettete. Dazu gehörten 120 Helferinnen und Helfer, die sich ab 1938 bemühten, den Verfolgten Pässe für südamerikanische Staaten auszustellen und zu vermitteln. Die Erkenntnisse einer ersten Recherche zu dieser bisher geheimen Aktion werden in der Ausstellung «Pässe, Profiteure, Polizei. Ein Schweizer Kriegsgeheimnis» im jüdischen Museum in Basel präsentiert.

Vergessene Schweizer KZ-Häftlinge
Mindestens 391 Frauen und Männer mit Schweizer Staatsbürgerschaft waren während des Zweiten Weltkriegs in Konzentrationslagern inhaftiert. Eine umfassende Recherche dazu wurde vom Autorenteam mit Balz Spörri, René Staubli und Benno Tuchschmid in mehrjähriger Arbeit geleistet. Sie dokumentieren diese Fälle in einem Buch und zeigen auf, was die Schweizer Behörden für die Opfer des NS-Regimes unternommen und was sie unterlassen haben.

Respekt lernen
Der Verein Doppeltür entwickelt neue Formen der Vermittlung jüdischer Geschichte in der Schweiz. In den Aargauer «Judendörfern» Endingen und Lengnau gab es eine jahrhundertelange Koexistenz jüdischer und christlicher Familien. Der Verein sammelt nun vermehrt Lebensgeschichten, bereitet sie multimedial auf und möchte verstärkt mit Schülerinnen und Schülern in den Dialog treten. Es gehe darum, Respekt zu lernen, gerade angesichts des neuen Antisemitismus’, auch in der Schweiz, sagt Initiator Roy Oppenheim.

Ausstrahlung: Freitag, 24. Januar 2020, 9.02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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Freitag, 24. Januar 2020, 9.02 Uhr, Radio SRF 2 Kultur

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