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«International»: Der indische Premier und das Spiel mit der Gewalt

Anfang Jahr zogen Hindu-Nationalisten durch die von Muslimen bewohnten Viertel Delhis. Eine ähnliche, noch extremere Gewaltwelle gab es 2002 im Gliedstaat Gujarat. Verantwortlich dafür war Narendra Modi, der heutige Premier. Gehört das Schüren von Gewalt zu seinem Kalkül? «International» berichtet.

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Fünf Männer liegen wehrlos am Boden, blutend, umringt von Polizisten. Doch die Polizisten leisten keine Hilfe. Sie zwingen die Verletzten stattdessen, die indische Nationalhymne zu singen. Eines der vielen Videos von der Gewaltwelle in Delhi, die im letzten Februar den Besuch des amerikanischen Präsidenten Trump in Indien begleitete, und eines der Videos, das die Frage aufwirft, wo die Polizei während der Gewaltwelle stand. In der indischen Hauptstadt sind die Sicherheitskräfte direkt dem Innenminister Amit Shah unterstellt. Er gilt als der Mann fürs Grobe an der Seite des indischen Premierministers Narendra Modi. Als Premierminister trat Modi 2014 mit dem Versprechen an, viele neue Arbeitsplätze zu schaffen. Daraus wurde aber nichts. Stattdessen nahm seine Politik immer nationalistischere Züge an. Vor der Gewaltwelle im Februar heizten Lokalpolitiker von Modis Partei BJP die Massen an.

«Wer Hasstiraden verbreitet, der entfacht ein Feuer, das nur schwer zu kontrollieren ist», sagt die indische Journalistin Rana Ayyub. Sie sieht Parallelen zu einer noch viel blutigeren Phase in der jüngeren Geschichte Indiens: dem Massaker in Gujarat im Jahr 2002. Damals kamen in nur drei Tagen mehr als 1000 Menschen ums Leben – die meisten davon waren Muslime. Die politische Verantwortung trug schon damals Modi. Damals noch als Regierungschef des Gliedstaats. Amit Shah war damals bereits an seiner Seite. Journalistin Ayyub, die in Gujarat recherchierte, ist überzeugt, dass das subtile Spiel mit der Gewalt zur Strategie der beiden gehört, um die hinduistische Basis zu mobilisieren.

Der rechte Intellektuelle Swapan Dasgupta bestreitet das und spricht gleichzeitig vom «Unbehagen» unter Hindus. Diese würden sich im eigenen Land benachteiligt fühlen – obwohl sie die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung ausmacht. Die religiös begründeten Spannungen bringen Modi und Shah politischen Ertrag: Ihre hindu-nationalistische Bewegung ist in Indien beliebter denn je.

Ausstrahlung: Samstag, 22. August 2020, 09.08 Uhr, Radio SRF 2 Kultur und 11.33 Uhr, Radio SRF 4 News

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