angle-left «Doppelpunkt»: Das Kokettieren mit wenig Schlaf ist out und ungesund
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«Doppelpunkt»: Das Kokettieren mit wenig Schlaf ist out und ungesund

Bis heute weiss die Wissenschaft nicht, warum wir schlafen. Seit den 1990er-Jahren schlafen wir 40 Minuten weniger. Sich damit brüsten, nur fünf Stunden Schlaf würden reichen, ist von gestern. Schlafen bedeutet nicht mehr Faulheit, sondern ist kreativ. Und Schlafen beugt Krankheiten vor.

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Kein Interview mit Jean-Claude Biver, Verwaltungsratspräsident der Uhrendivision von LVMH (Hublot, Tag Heuer, Zenith), in welchem nicht der Schlaf thematisiert wird. Biver schläft stets nur vier oder fünf Stunden. «So habe ich zwei Stunden Vorsprung auf die Konkurrenz», sagt er. Biver gibt aber zu, dass er sich tagsüber unterwegs hin und wieder einen Powernap gönnt. Das kann im Wartezimmer des Arztes sein oder auf einem Parkplatz, wenn er mit dem Auto unterwegs ist. Im Betrieb macht er den Powernap auf der betriebseigenen Toilette.

Falsches Heldentum

Für Theo Wehner, emeritierter Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH, ist das Kokettieren mit wenig Schlaf ein reines Heroisieren. «Ein falsches Heldentum», sagt er. «Wer eine Woche lang nur vier oder fünf Stunden pro Nacht schläft, handelt, wie wenn er eine Blutalkoholkonzentration von einem Promille hat.» Klares Denken und weise Entscheide sind dann kaum mehr möglich. Was Wehner besonders nachdenklich stimmt: «Wer zu wenig schläft, handelt häufig unethisch.» Wehner selbst schläft sieben bis acht Stunden pro Nacht.

Schlaf ist kreativ

Björn Rasch, Professor für kognitive Biopsychologie an der Universität Fribourg, forscht zum Schlaf. In einem Experiment hat er herausgefunden, dass sich die Probanden im Schlaf abgespielte holländische Wörter besser merken konnten. Schlaf ist kreativ. Rasch hat zwei kleine Töchter, weshalb er ab und zu ein Schlafmanko hat und nicht auf seine sieben bis acht Stunden kommt.

Eule oder Lerche liegt in unseren Genen

Claudio Bassetti ist Professor für Neurologie und Schlafmedizin am Berner Inselspital. Er ist ein Langschläfer. «Das liegt in meinen Genen», sagt er. Schon sein Vater und sein Grossvater hätten gerne lang geschlafen. Langschläfer, Kurzschläfer – das liegt in unserer DNA. Wer eine Eule ist, kann nicht automatisch zur Lerche werden. Ein paar Mal nachts aufzuwachen, ist für den Schlafmediziner völlig normal.

Im Silicon Valley wird geschlafen

Der 45-jährige St. Galler Daniel Graf lebt seit Jahren im Silicon Valley. Seine Stationen waren Google, Twitter und Uber. Nun berät er Start-ups. Er schläft seit Jahren mit einem Tracker, der ihm genau anzeigt, wie viel er geschlafen hat und wie oft er wach war. Graf kommt auf siebeneinhalb Stunden. Schlaf sei durchaus ein Thema im Silicon Valley sagt er. Jeff Bezoes, der Gründer des Online-Riesen Amazon, hat denn auch in einem Interview offenbart, dass er acht Stunden pro Nacht schläft.

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Dienstag, 14. Mai 2019, 20.03 Uhr, Radio SRF 1

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