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«DOK»: Gutachter des Bösen – Die Ära Frank Urbaniok

Frank Urbaniok war 25 Jahre lang einer der bekanntesten und einflussreichsten forensischen Psychiater der Schweiz. Er erklärte uns die Seelen von Verbrechern – bis er an Krebs erkrankte und sich für längere Zeit aus der Öffentlichkeit zurückzog. Jetzt kämpft er sich zurück ins Leben. Ein Film von Simon Christen.

DOK: Gutachter des Bösen - Die Ära Frank Urbaniok Frank Urbaniok war er bekannteste und einflussreichste Psychiater der Schweiz – dann erkrankte er an Krebs und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Die Diagnose Krebs war ein Schock. Nicht nur für Frank Urbaniok, sondern auch für seine Söhne und seine Frau. Urbaniok stand mitten im Leben, war Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) im Zürcher Amt für Justizvollzug. Und er war einer der bekanntesten und einflussreichsten Psychiater der Schweiz, der den Justizvollzug massgebend prägte.

Die «Ära Urbaniok» endete an einem Freitag, als sein Arzt bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostizierte. Urbaniok hatte eine statistische Überlebenschance von weniger als fünf Prozent. Inzwischen ist seine Perspektive besser, aber die Gefahr eines Rückfalls bleibt erheblich. Früher bestand sein Leben vor allem aus Arbeit. 65-Stunden-Wochen waren normal. Heute braucht er jeden Tag längere Ruhephasen und ist darum in einem viel kleineren Pensum tätig als früher: nämlich als selbständiger Gutachter und Supervisor.

Urbaniok kam Mitte der 1990er-Jahre nach Zürich – kurz nach dem Mord in Zollikerberg. Am Nachmittag vom 30. Oktober 1993 wurde die 20-jährige Pfadiführerin Pasquale Brumann vergewaltigt und ermordet. Der Täter war kein Unbekannter: Erich Hauert hatte bereits zwei Sexualmorde und elf Vergewaltigungsverbrechen begangen. Der Fall löste Betroffenheit und Wut aus. Wieso wurden einem solchen Menschen unbegleitete Hafturlaube bewilligt? Wieso konnte er weiter morden? Der Justizvollzug war in seinen Grundfesten erschüttert.

Neue Rezepte waren gefragt. Und Urbaniok übernahm die Themenführerschaft. Er plädierte dafür, die Mehrheit der Täter professionell zu therapieren und die hochgefährlichen Unbehandelbaren präventiv wegzusperren – wenn nötig, für immer. Urbaniok prägte einen Paradigmenwechsel: weg vom Schuld- hin zum Präventionsprinzip.

Ausstrahlung: Donnerstag, 12. September 2019, 20.05 Uhr, SRF 1

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