null «Reporter»: Radikale Christen – Mein Ausstieg aus der OCG (Teil 1 und 2)

Kultur

«Reporter»: Radikale Christen – Mein Ausstieg aus der OCG (Teil 1 und 2)

Sie werden geschlagen und gezüchtigt bis zur Teufelsaustreibung: Erstmals erzählen zwei Söhne über das Innenleben der Organischen Christus-Generation (OCG), einer Sekte im fundamentalistisch-christlichen Milieu mit Sympathien für Adolf Hitler.

Reporter Radikale Christen Familie Sasek am Strand Quelle: Archiv Familie Sasek

Begonnen hat er klein: Ivo Sasek gründet im ausserrhodischen Walzenhausen eine kleine christliche Gemeinschaft mit dem Ziel, Randständigen und Familien zu helfen. Noch heute propagiert Sasek, er helfe Familien, doch die Realität ist eine andere. Wer sich nicht seiner Lehre unterwirft und eigene Wege gehen möchte, fällt unter das sogenannte «Aussätzigen-Gesetz»: Aussteigende dürfen keinen Kontakt mehr zu anderen OCG-Anhängerinnen und -Anhängern haben, auch wenn das ihre eigene Familie betrifft. Erfahren mussten dies auch Ivo Saseks Söhne.

Simon, David und Joschua Sasek: Alle drei sind ausgestiegen. In seinen Predigten verweist ihr Vater darauf, dass sie von dämonischen Mächten gefangen seien, Infizierte, und damit eine Bedrohung für die OCG. Warum die Söhne ausgestiegen sind, davon erzählt er wenig oder nur zu seinen Gunsten. In «Reporter» schildern die Söhne, was sie bewegt hat, die Sekte ihres Vaters zu verlassen. Und sie decken auf, was ihr Vater seit Jahrzehnten bestreitet und als «Medienlüge» bezeichnet: Sie wurden geschlagen und gezüchtigt, und wenn das alles nichts genützt hat, folgte eine Teufelsaustreibung.

«Züchtigung heisst in der OCG: Mit einer etwa ein Meter langen Bambusrute werden gezielt Schläge gesetzt. Das war für uns völlig normal und ich habe das schon als Zweijähriger erfahren. Es gehörte zur Erziehung», erzählt Simon Sasek. Das letzte Mal gezüchtigt wurde er im Erwachsenalter, als er sich wagte, seinem Vater zu sagen, es sei ihm zu eng, er wolle mehr Freiheit. Daraufhin wurde ihm mit massiver Gewalt «der Teufel ausgetrieben».

Als Kinder wurden sie von ihrem Vater aufgefordert, «Mein Kampf» von Adolf Hitler zu lesen. «Für ihn kommt das Buch gleich nach der Bibel», sagt Simon Sasek. Ivo Sasek selbst sagt dazu, er identifiziere sich mit Hitlers Biografie, er würde heute von den Medien genauso gejagt und verteufelt wie damals Adolf Hitler.

Mit seinem Internet-Kanal «KlaTV» verschafft sich Ivo Sasek zunehmend Reichweite. Ein Internetsender, von OCG-Anhängerinnen und -Anhängern produziert und moderiert, der sich auf Verschwörungstheorien und umstrittene Personen und Ansichten spezialisiert hat. Die Coronakrise hat ihm zusätzlich Publikum beschert. Ängste werden geschürt, bestehende Strukturen in Zweifel gezogen, eine vermeintlich andere, wahre Sicht gezeigt. Sein Sohn dementiert: «Meinem Vater geht es nicht um Wahrheit, er will einzig und allein Reichweite gewinnen.»

Ausstrahlung Teil 1: Mittwoch, 13. April 2022, 21.00 Uhr, SRF 1

Ausstrahlung Teil 2: Mittwoch, 20. April 2022, 21.00 Uhr, SRF 1

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Detailinformation

Ausstrahlung
Teil 1: Mittwoch, 13. April 2022, 21.00 Uhr, SRF 1, Teil 2: Mittwoch, 20. April 2022, 21.00 Uhr, SRF 1

Publiziert am
Montag, 11. April 2022

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srf.ch/reporter

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