null «Puls»: Knabenbeschneidung – Mehr als nur ein kleiner Schnitt

Kultur

«Puls»: Knabenbeschneidung – Mehr als nur ein kleiner Schnitt

Die Entfernung der Vorhaut ist die am häufigsten durchgeführte Operation an männlichen Kindern weltweit. Doch der medizinische Nutzen ist umstritten und auch in der Schweiz kommt die Forderung auf, dass Knaben besser vor unnötigen Beschneidungen geschützt werden sollen. Daniela Lager führt durch die Sendung.

Daniela Lager Moderatorin PULS 2022 Copyright: SRF/Oscar Alessio

Betroffene Männer, die unter ihrer Beschneidung leiden, wagen zunehmend den Schritt an die Öffentlichkeit: Sie fordern, dass Knaben vor medizinisch nicht notwendigen Beschneidungen geschützt werden und so ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit gewahrt wird. Doch wenige gehen den Weg wie Florian aus Deutschland. Er ist sich sicher, dass seine Beschneidung als Kind medizinisch gar nicht nötig war. Über alternative Möglichkeiten wurden seine Eltern zudem nicht aufgeklärt. Daher will er vor einem deutschen Gericht klären, ob der Arzt falsch gehandelt hat.

Steigender Trend in der Schweiz?
Generell gehen in Deutschland aber die Beschneidungen aus medizinischen Gründen zurück. Dies, nachdem eine neue fachärztliche Leitlinie vor allem auf eine Salbentherapie setzt, um die Phimose, also die Verengung der Vorhaut, zu behandeln. In der Schweiz gibt es keine solche Leitlinie. Es fehlt auch an Zahlen oder Untersuchungen darüber, wie gut die Diagnosestellung vor Beschneidungen ist. Die spärlichen Schweizer Daten zu Beschneidungen weisen eher darauf hin, dass der Anteil an Beschneidungen bei Minderjährigen steigt.

Dies kritisieren Betroffenen-Organisationen scharf und fordern einen Stopp aller medizinisch nicht notwendigen Beschneidungen bei Kindern und eine umfassende Aufklärung der Eltern über alternative Methoden. Kritik rufen auch Beschneidungs-Programme hervor, die in afrikanischen Ländern im Kampf gegen Aids lanciert wurden. Dort wurden gegen 30 Millionen Knaben beschnitten und in vielen Fällen wurden weder sie noch ihre Eltern zuvor um ihre Einwilligung gefragt oder über die Folgen aufgeklärt.

«Puls» zeigt auf, welche Funktion die Vorhaut hat und welche Folgen eine Beschneidung auch für das sexuelle Empfinden hat. Die Sendung geht auch der Frage nach, wann eine Beschneidung medizinisch tatsächlich sinnvoll ist, und stellt die Ethik dieser Jahrtausende alten Praktik kritisch infrage.

Ausstrahlung: Montag, 23. Januar 2023, 21.05 Uhr, SRF 1

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Ausstrahlung
Montag, 23. Januar 2023, 21.05 Uhr, SRF 1

Publiziert am
Freitag, 20. Januar 2023

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srf.ch/puls

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