null «Kulturplatz»: Die dunkle Seite von Familien

Kultur

«Kulturplatz»: Die dunkle Seite von Familien

In der Schweiz wird durchschnittlich jede zweite Woche eine Frau durch häusliche Gewalt getötet. Die Aktion «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» weist nun darauf hin. Zwei Filme und Bücher befassen sich aktuell mit dem Thema. «Kulturplatz» redet mit einer Frauenhaus-Pionierin. Eva Wannenmacher führt durch die Sendung.

KulturplatzModeratorin Eva WannenmacherCopyright: SRF/Oscar Alessio

Darüber spricht man nicht: Gewalt in der Familie
Etwa 80 Prozent der Fälle von häuslicher Gewalt kommen nie ans Licht, schätzen Expertinnen und Experten. Zwei Filmprojekte wollen das Thema nun aus dem Schatten holen. «Ich doch nicht» und «Chaylla» porträtieren Menschen, die in die Spirale der Gewalt geraten sind – und einen Weg herausgefunden haben. Nicht einfach, denn viele realisieren gar nicht, dass die Gewalt bereits viel früher als beim ersten Schlag beginnt. Und die meisten Opfer schweigen. Aus Scham. Aus einem Gefühl der Mitschuld. Aus Angst, dass die Familie oder Beziehung auseinanderbricht. Auch das Umfeld schaut oft weg. Warum ist das so? «Kulturplatz» sucht nach Antworten.

Ein Ort der Zuflucht: Das Frauenhaus
«Für mich gibt es ein Leben vor und eines nach dem Frauenhaus», sagt Alice Wegmann heute mit 76 Jahren. 1980 verbrachte sie drei Wochen im Frauenhaus Zürich nach dem ihr Mann sie wiederholt geschlagen, vergewaltigt und terrorisiert hatte. Damals war ein solcher Schutzort für Frauen keine Selbstverständlichkeit – gerade mal ein Jahr alt war das Frauenhaus Zürich. In ihrem Buch «Wann, wenn nicht jetzt» arbeitet die Historikerin und Journalistin Christina Caprez die Geschichte des ersten Frauenhauses der Deutschschweiz auf und sie zeigt: Der gesellschaftliche Fortschritt in Sachen Gleichstellung in der Schweiz hat massgeblich mit der Arbeit in den Frauenhäusern zu tun.

Keine Frage des Milieus: Häusliche Gewalt
Eine Vorzeigefamilie, eine Villa, vier Kinder – was nach aussen wie die perfekte Idylle ausschaut, entpuppt sich im Innern als Grauen schlechthin. Der Vater triezt die Familie mit bösen Worten und schlägt ohne Vorwarnung zu. Die Mutter schweigt und versucht, die Familie mit guten Worten und Shopping-Trips zu befriedigen. Die jüngste Tochter realisiert zunehmend die Situation, doch auch sie vermag sich lange nicht zu befreien. Das Debüt von Claudia Schumacher ist beklemmend. Gerade weil es zeigt, dass häusliche Gewalt jeden treffen kann, nicht nur die anderen. Eine Begegnung mit einer Autorin, die sich für ihren ersten Roman ein schweres, aber wichtiges Thema gesucht hat.

Und im Gespräch: Susan A. Peter, Pionierin im Kampf gegen häusliche Gewalt
Seit 18 Jahren ist Susan A. Peter Präsidentin der Stiftung Frauenhaus Zürich. Und sie war auch schon in den 80er-Jahren dabei. Die Sozialpädagogin kennt sich aus mit dem schweren Thema Gewalt in Beziehungen und Familien. Sie weiss, warum es für die Opfer so schwierig ist, sich aus dem Teufelskreis zu befreien. Und sie hat Ideen, wie die Politik bei der Prävention helfen kann. Darüber spricht sie mit Eva Wannenmacher.

Ausstrahlung: Mittwoch, 30. November 2022, 22.25 Uhr, SRF 1

Zurück

Detailinformation

Ausstrahlung
Mittwoch, 30. November 2022, 22.25 Uhr, SRF 1

Publiziert am
Dienstag, 29. November 2022

Sender

Weiterführende Informationen
srf.ch/kulturplatz

Bilder

Informationen

Zurück